School life the Canadian way

 

Für ein halbes Jahr habe ich meinen gewohnten Schulalltag in Deutschland gegen das Leben an einer kanadischen High School eingetauscht – und das war bisher eine der besten Entscheidungen meines Lebens. In dieser Zeit habe ich nicht nur tolle neue Menschen kennengelernt und spannende Erfahrungen gemacht, sondern auch mein Englisch verbessert. Besonders beeindruckt hat mich, wie unterschiedlich das Schulsystem und der Alltag an kanadischen Schulen im Vergleich zu Deutschland sind.

 

Stundenplan der Schule

Die High School in Kanada beginnt mit der 8. und endet mit der 12. Klasse. Die Schüler sind in der Regel zwischen 13 und 18 Jahre alt. Das Schuljahr ist in zwei Semester unterteilt und mit jedem neuen Semester wechseln auch die belegten Kurse. An meiner Schule bestand der Stundenplan aus vier verschiedenen Fächern, die jeden Tag unterrichtet wurden, allerdings in täglich wechselnder Reihenfolge. Jede Unter- richtsstunde dauerte 70 Minuten. Anfangs war das un- gewohnt, doch schon nach kurzer Zeit fand ich den langen Blockunterricht viel angenehmer als den ständigen Wechsel in Deutschland.

 

Bouldern mit Outdoor-Education

Was mich besonders begeistert hat, war die große Auswahl an Kursen. Neben klassischen Fächern wie Mathe oder Englisch konnte man auch kreative und praxisnahe Kurse wählen, etwa Metal Work, Wood Work, Yoga, Basketball oder Outdoor Education. In Outdoor Education haben wir zum Beispiel gelernt, wie man sich in der Wildnis zurechtfindet, waren gemeinsam auf Campingtrips oder sind angeln gegangen. Der Unterricht war dadurch nicht nur abwechslungsreich, sondern oft auch mit viel Spaß  und echten Abenteuern verbunden.

 

Ein weiterer großer Unterschied zum deutschen Schulsystem war das Verhältnis von Schüler*innen zu den Lehrkräften. Die Lehrer*innen begegneten uns auf Augenhöhe und verhielten sich fast wie Freundinnen und Freunde. Man „handshakete“ sich mit ihnen, hatte Insiderwitze oder führte Gespräche, die über das Unterrichtsthema hinausgingen. Diese lockere, vertrauensvolle Atmosphäre war für mich völlig neu und sehr angenehm.

 

Fitnessstudio der Schule

Auch der Sport hatte in meinem kanadischen Schulalltag einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland. Neben dem regulären Sportunterricht gab es zahlreiche Schulmann- schaften, zum Beispiel in Hockey, Basketball, Football oder Volleyball. Die Schulen waren dafür oft bestens ausgestattet und boten sogar spezielle Sportprogramme oder Akademien für besonders talentierte oder interessierte Schüler an. Wettkämpfe und Turniere waren fester Bestandteil des Schulalltags und eröffneten manchen sogar die Chance auf ein Stipendium für ein College.

 

Besonders gut gefallen hat mir auch, dass es viele sportliche Wahlfächer gab – neben den bereits genannten Sportarten konnte man zum Beispiel auch Kurse wie Fitness & Conditioning oder Yoga belegen. Bundesjugendspiele, wie wir sie aus Deutschland kennen, gab es an meiner Schule nicht. Stattdessen fanden sogenannte Indigenous Games statt – sportliche Wettkämpfe, bei denen es vor allem um Spaß, Gemeinschaft und das Ausprobieren neuer Dinge ging. Alles war freiwillig, niemand wurde unter Druck gesetzt, und dennoch konnte man dabei Spaß haben und sich miteinander messen.

 

Insgesamt bin ich sehr froh diese Erfahrung gemacht zu haben. Gerne wäre ich dort auch länger geblieben. So war mein halbes Jahr in Kanada eine unvergessliche Zeit, die mir ein neues Land mit seiner Kultur nähergebracht und mich persönlich in vielerlei Hinsicht weitergebracht hat. Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung – und kann jedem, der die Möglichkeit hat, nur empfehlen, einmal in ein anderes Schulsystem einzutauchen.

 

Von: Sarah Koch