Romantischer Stadtspaziergang durch Berlins Mitte
Romantik in Berlin? Ja, sogar Spätromantik.
Der Deutschkurs 12 unter Leitung von Frau Oehmig erlebte an echten Orten die theoretischen Erkenntnisse aus dem Unterricht nach.
Berlin war das Zentrum der Hochromantik (1815-1848). Hier versammelte sich alles, was Rang und Namen hatte um den Gendarmenmarkt herum.
So erfuhren wir, dass E.T.A. Hoffmann seinen dritten Vornamen Wilhelm in Amadeus umwandelte, weil er eine tiefe, fast religiöse Verehrung für Wolfgang Amadeus Mozart verspürte. Hoffmann war nämlich ein absolutes Multitalent. Heute kennen wir ihn zwar vor allem als Schriftsteller. „Der Sandmann“ wird oft im Unterricht behandelt, aber seine eigentliche große Liebe galt zeitlebens der Musik. Er arbeitete als Komponist, Kapellmeister und Musikkritiker. Die Verbindung zwischen E. T. A. Hoffmann und dem Berliner Weinhaus Lutter & Wegner am Gendarmenmarkt ist legendär – es war schlichtweg sein absolutes Stammlokal und der Mittelpunkt seines exzessiven Berliner Nachtlebens. Ab 1815 wohnte Hoffmann direkt am Gendarmenmarkt, nur wenige Meter von der Weinstube entfernt (siehe Gedenktafel). Fast jeden Abend zog es ihn dorthin.
Einen weiteren Stopp legten wir an der Gedenktafel für den Salon von Rahel Varnhagen ein. Ihr Salon war ein Ort, an dem Dinge besprochen werden durften, die draußen in der strengen, preußischen Öffentlichkeit Tabu waren. Hier wurde über Frauenrechte philosophiert, über freie Liebe debattiert und politische Utopien geschmiedet. Berühmtheiten wie Heinrich Heine, die Brüder Humboldt, Friedrich Schlegel und Schleiermacher gingen bei ihr ein und aus. Heine schrieb später bewundernd, dass er hier zum ersten Mal echte, ungezwungene Freiheit erlebt habe.
E. T. A. Hoffmann und Rahel Varnhagen kannten sich natürlich. Allerdings war Hoffmann die feine, hochintellektuelle Salon-Kultur oft ein wenig zu anstrengend und verkopft – er flüchtete am Ende des Abends dann doch lieber wieder zu Lutter & Wegner, um handfester zu feiern.
Über den Bebelplatz ging es weiter zur Humboldt-Universität, in die Staatsoper und schließlich zum heutigen Humboldt-Forum (früheres Schloss, das 1950 gesprengt wurde).
E. T. A. Hoffmann lebte nur einen kurzen Spaziergang vom Schloss entfernt.
Für die Romantiker war das Schloss ein Januskopf: Es war ein Symbol der Macht, da es die Residenz der preußischen Könige war. Hoffmann, der hauptberuflich als strenger Richter am Kammergericht arbeitete, war Teil dieses preußischen Staatsapparates, litt aber unter dessen Zensur und Starrheit.
Außerdem ist es ein Schauplatz des Unheimlichen: In der Romantik spielte das Schloss eine große Rolle in Schauergeschichten.




