Drucken

Das Fach Geschichte ist das klassische „Verbundfach“ im Fächerkanon der Oberschule, denn es bündelt nahezu alle anderen Schulfächer, indem es ihre Traditionslinien historisch zurückverfolgt und die Entwicklung von Strukturen, Institutionen und Systemen bis zur Gegenwart aufzeigt.

 

Die Kenntnis historischer Daten kann Schülern, die einen Geschichtskurs besuchen, nicht schaden, ist aber nicht das Hauptziel des Unterrichts, geht es hier doch primär um die Erkenntnis der vielfältigen Verursachungsmomente historischer Prozesse (Warum nimmt die Geschichte an dieser Stelle gerade diesen Verlauf?) und die Analyse politischer, gesellschaftlicher und kultureller Strukturen (Wie funktioniert so eine Gesellschaft/ so ein Staat?). Zur möglichst selbstständigen Beantwortung solcher Fragen muss man über ein fachspezifisches Handwerkszeug („Methodenkompetenz“) verfügen. Dazu gehören vornehmlich die Fähigkeit der Quellenanalyse, der Auswertung von Statistiken, der Interpretation von Karten und Bildern. Die hiermit gewonnen Einsichten verlangen eine Beurteilung durch den „Rekonstrukteur“ von Geschichte. Beim Schüler wie beim Historiker ist die Wertung der Ereignisse in ihrer Darstellung immer schon mit enthalten. Es kommt darauf an, die Grundlagen dieser Wertung zu reflektieren („Urteilskompetenz“), d.h. sich darüber klar zu werden, warum man etwas so oder anders bewertet, welche moralischen und normativen Kategorien man zugrunde legt.

Aus dem bisher Gesagten sollte schon deutlich geworden sein, dass das Fach Geschichte, obwohl es auch praktische und anschauliche Elemente, wie Museums- und Gedenkstättenbesuche, Stadterkundungen und andere Exkursionen, enthält, doch hauptsächlich etwas für „Buchstabenfresser“ ist. Man sollte also gerne und viel lesen, wenn man sich mit dem Gedanken trägt, Geschichte -eventuell sogar als Leistungsfach- zu wählen. Lateinkenntnisse müssen das Asterix-Niveau nicht übersteigen, dagegen ist die Bereitschaft, auch sprachlich vertrackte Texte zu „knacken“ unbedingt erforderlich. Die Klausuren, zwei im LK, eine im GK pro Semester, sind Quellenanalysen, die vom Bearbeiter eine selbstständige Auseinandersetzung (Analyse, Interpretation, Diskussion) mit einer – meist schriftlichen- Primär oder Sekundärquelle in Form eines Aufsatzes verlangen. Der Schüler zeigt in ihnen, auf welchem Niveau („Kompetenzstufen“) er einen Sachverhalt / ein Ereignis historisch einordnen („Was war damals eigentlich los?), inhaltlich und bedeutungsmäßig analysieren („Was steht da drin, und warum ist das wichtig?) und beurteilen („Welche Folgen hatte das, und wie stehe ich dazu?“) kann. Im Abitur wird eine Leistung erwartet, die methodisch den in der Kursphase im Unterricht und als Klausur geübten Aufgaben entspricht und qualitativ einheitlich festgelegte Standards erfüllt.

Das Fach Geschichte wird an der Carl-Zeiss-Schule in der Einführungsphase als Fundamental- und als Profilkurs jeweils zweistündig unterrichtet, in der Qualifikationsphase in Grund und Leistungskursen drei- bzw. fünfstündig.

Der neue Rahmenplan hat die zu behandelnden historischen Epochen „nach vorne“ geholt, so dass im Vergleich zum alten Curriculum ein breiterer Raum für die Beschäftigung mit der jüngsten Vergangenheit zur Verfügung steht. Außerdem ist der Umfang des „Pflichtprogramms“ reduziert mit der Folge, dass sich Kurse mit ihrem Kursleiter in bestimmten Grenzen auf individuell abgestimmte Neigungsthemen einigen können („Wahlbereich“).

Die sog. Curricularen Vorgaben sehen folgende Kursinhalte vor:

Klasse 11
Fundamentalbereich (also für alle verbindlich zu belegen):

Profilbereich (für die, die das Fach als Leistungsfach anwählen wollen):

Qualifikationsphase (12. und 13. Klasse)

Der Grundkurs des ersten Semesters beschäftigt sich wahlweise mit der Grundlegung der modernen Welt in der Antike oder im Mittelalter. Im Leistungskurs ist an unserer Schule das Mittelalter Thema.

Im zweiten Semester geht es um die Herausbildung moderner Strukturen in Gesellschaft und Staat von der frühen Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert. Ausgehend vom Aufbruch in die neue Zeit in Humanismus und Renaissance werden der Aufstieg des Absolutismus und sein Ende in den großen Revolutionen untersucht.

Das dritte Semester, besonders wichtig für die schriftliche Abiturprüfung, behandelt hauptsächlich das 20. Jahrhundert vom Imperialismus über die erste deutsche Demokratie (Weimarer Republik) in die nationalsozialistische Katastrophe („Drittes Reich“).

Im vierten Semester ist der Kurs in der Nachkriegszeit angekommen. Neben den politisch-historischen Themen wie Kalter Krieg und internationale Krisenherde, werden hier Lebenswelten im historischen Längsschnitt, also etwa die Entwicklung der Familie, die Geschichte der Juden oder Gewalt und Konfliktlösung im historischen Vergleich untersucht.

Insgesamt sind die Kursinhalte in der Oberstufe zwar an der Chronologie orientiert, d.h., sie schreiten zeitlich fort, sie berücksichtigen aber sehr viel stärker als der entsprechende Durchgang in der Mittelstufe thematische Fragestellungen, sind also keine Nacherzählung von Geschichte.